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Josef und Maria aus Nazareth
1. Szene (Tüchermarkt)
Tuchhändlerin
Lea
Sarah
Rebekka
Maria
Tageslicht über kompletter Bühne
Leintuch 'Marktszene'
Tische mit Tüchern
Vorhang auf
Tuchhändlerin: Schöne Tücher zu verkaufen! Die neuesten Farben, die neuesten Trends!
(Maria, Sarah, Lea und Rebekka treten auf)
Tuchhändlerin: Möchtet ihr ein schickes Tuch kaufen?
(Maria legt sich ein sehr buntes Tuch um die Schulter)
Maria: Schaut mal, wie findet ihr das? Steht mir das?
Lea: Das ist richtig toll. Da werden alle schauen!!
Sarah: Lea, du bist echt peinlich! Maria ist schließlich verlobt. Maria, meinst du, dass es deinem Verlobten gefällt? Darauf musst du jetzt achten!
Maria: Klar, Josef ist fast immer damit einverstanden, was ich mache. Er ist kein so ein Macho, der alles bestimmen muss.
Lea: Auf mich macht der so einen ernsten Eindruck. Ich habe immer ein bisschen Angst vor dem.
Maria: Klar, Josef ist ein sehr nachdenklicher Mann. Sein Glaube und seine Prinzipien sind ihm wichtig. Aber gerade so jemanden brauche ich. Auf ihn kann man sich 100-prozentig verlassen.
Sarah: Ich würde so ein buntes Tuch nicht mehr tragen, wenn ich verlobt wäre. Dann hat man doch einen ganz anderen Rang. Wie ich dich beneide, Maria.
Rebekka: Ach Sarah, bestimmt werden wir auch bald heiraten. Schließlich sind wir ordentliche Mädchen mit einem einwandfreien Ruf.
Maria: Eben, ihr seid doch auch nicht so dumm, euch auf was einzulassen, was man nicht darf.
Lea: Ich habe gehört, dass aus dir und dem Lukas von uns gegenüber was werden soll.
Sarah (verlegen): Halt doch einmal deinen Mund, Lea.
Maria: Probier du mal das Tuch, Sarah.
(Maria gibt das Tuch an Sarah weiter, Sarah legt sich das Tuch um)
Rebekka: Steht dir nicht Sarah, dafür bist du nicht der Typ. Zu dir passt besser was Edles, Schlichtes.
(Rebekka gibt Sarah ein schönes, einfarbiges Tuch)
Maria: Toll, damit siehst du aus wie eine vornehme Dame. Aus dir wird sicher mal was ganz Edles.
Sarah: Redet doch keinen Quatsch, wir alle sind und bleiben einfache Leute. Dein Josef ist auch kein Märchenprinz.
Rahel: Sarah, jetzt aber! Man könnte meinen, du wärst neidisch auf Maria. Darf man nicht ein bisschen träumen von einer besseren Zukunft?
Maria: Erstens ist Josef mein Märchenprinz und zweitens glaube ich einfach an eine bessere Zukunft. Auch unsere Religion spricht schließlich davon. Aber jetzt muss ich gehen, meine Mutter hat mir noch jede Menge Arbeit aufgebrummt. Die erzählt auch immer davon, wie fleißig und anständig ein Mädchen sein muss und dass nach der Hochzeit der Ernst des Lebens anfängt und so.
Tuchhändlerin: Welches Tuch darf es denn nun sein?
Maria: Dieses!
(Maria bezahlt und geht ab)
Lea: Na ja, hat auch seine Nachteile, das Verlobt sein. Ich hab es da noch nicht so eilig.
Sarah: Ich finde, Maria hat's gut. Verlobt sein, das klingt so aufregend. Ich wäre bestimmt mindestens so eine gute Ehefrau wie Maria.
Rahel (seufzt): Bestimmt, Sarah.
Licht aus
Vorhang zu
[Musik:Saxophone]
2. Szene (Maria zu Hause)
Maria
Engel
Leintuch 'Inneneinrichtung Maria/Elisabeth'
Kartonhocker bedeckt mit schwarzem Stoffstück
Buntes Stoffstück für die Handarbeit
Markierung/Podest für Engel
Vorhang auf
Zimmerbeleuchtung über kompletter BühneVorbereitung: Heller Spot rechts auf Markierung
Maria sitzt allein zu Hause und flickt an einem Stück Stoff herum.Sie ist müde und gähnt.
Der Engel tritt auf und geht zur Markierung
Heller Spot auf Markierung an
Engel: Sei gegrüßt, du Begnadete! Der Herr ist mit dir.Maria (erschrocken): Was ... was... wer ...
Engel: Fürchte dich nicht, Maria, du hast Gnade bei Gott gefunden.
Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn bekommen, und du sollst ihm den Namen Jesus geben.
Der wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden; und Gott der Herr wird ihm den Thron seines Vaters David geben.
Und er wird König sein über das Haus Jakob in Ewigkeit, und sein Reich wird kein Ende haben.
Maria: Aber ich bin doch noch gar nicht verheiratet! Das kann doch gar nicht sein.
Engel: Bei Gott ist Alles möglich. Dieses Kind, das du bekommen wirst, ist heilig. Es wird Gottes Sohn genannt werden.
Schau, auch Elisabeth, deine Cousine, ist schwanger, obwohl sie schon viel zu alt dafür ist. Sie ist bereits im sechsten Monat. Du siehst, bei Gott ist nichts unmöglich.
Maria: Ich bin Gottes Dienerin, wenn er es will, dann soll es geschehen und muss schon richtig sein.
Heller Spot auf Markierung aus
(Der Engel tritt ab)Maria: So was! Das muss ich erst einmal verdauen. Und vor Allem: Wie sage ich das Josef? Ob der mir wohl glaubt?
Licht aus
Vorhang zu
[Musik]
3. Szene (Maria gesteht Josef die Schwangerschaft)
Maria
Josef
Leintuch 'Werkstatt, Stall'
In der Werkstatt:
Säge, Kartonwerkzeuge
Holzböcke
Leisten zum Kaputtmachen
Teppich für Josef
Markierung für Engel
Am rechten Rand:
Baum
Bank mit Decke
Korb mit Decke für Maria
Vorhang auf
Tageslicht über kompletter Bühne
Vorbereitung: Heller Spot rechts auf Markierung
(Josef sitzt auf Bank, Maria tritt mit Essenkorb in der Hand auf)
Josef: Maria, lange dauert es nicht mehr, dann sind wir verheiratet.Maria: Ja.
Josef: Ich freue mich schon so drauf.
Maria: Ja
Josef: Freust du dich denn nicht, Maria?
Maria: Doch doch.
Josef: Maria, was hast du, was ist los?
Maria: Ach nichts.
Josef: Lüg mich nicht an. Irgendetwas hast du. Los, spuck's aus.
Maria(leise): Ich bekomme ein Kind
Josef: Waas? Wie konntest du mir so etwas antun? Das hätte ich nie von dir gedacht.
Maria: Aber Josef, es ist nicht, wie du denkst.
Josef: Spar dir deine Erklärungen. Ich will gar nichts hören. So etwas darf einfach nicht passieren! Niemals! Schämst du dich denn gar nicht! Wie konntest du mir das nur antun!
(Josef rennt in die Werkstatt
Maria bleibt hilflos allein zurück und tritt ab)
[Musik: Josef lieber Josef mein]
4. Szene (Josef in der Werkstatt)
Engel
Josef
In der Werkstatt:
Säge, Kartonwerkzeuge
Holzböcke
Leisten zum Kaputtmachen
Teppich für Josef
Markierung für Engel
Am rechten Rand:
Baum
Bank mit Decke
Korb mit Decke für Maria (Josef in seiner Werkstatt allein)
Umschalten auf Zimmerbeleuchtung über kompletter Bühne Josef(steht, zerbricht vor Zorn eine Holzlatte): Niemals! Nein, niemals hätte das passieren dürfen. Meine Verlobte, meine Maria. Ich bin so wütend, so enttäuscht. Was mache ich jetzt nur? Heiraten kann ich sie nicht, jetzt nicht mehr. Sie hat alles kaputt gemacht. Aber ich will nicht, dass ihr was passiert. Ich werde sie einfach verlassen. Ja, so werde ich es machen. Genau so. Und jetzt will ich nur noch schlafen, ich will es vergessen. Einfach vergessen. (Legt sich mitten in der Werkstatt hin und wälzt sich unruhig hin und her.)
Umschalten auf möglichst hartes Licht über kompletter Bühne oder nur Bühnenmitte
!!!Musik 'Schatten' anschalten
[Tanz der Schatten]
Zurückschalten auf Zimmerbeleuchtung über kompletter Bühne nach Abtritt der Schatten
(Josef bleibt allein zurück).
(Der Engel tritt auf und geht zur Markierung)
Heller Spot auf Markierung an
Engel: Josef, Hör mir zu! (Josef setzt sich verwirrt auf die Knie)
Engel: Josef, du Sohn Davids, hör mir zu. Ich sehe, dass du verwirrt und böse bist. Ich verstehe, dass du Maria nicht zuhören wolltest. Aber hör jetzt bitte mir zu. Maria hat dich nicht enttäuscht.
Fürchte dich nicht, deine Frau Maria zu dir zu nehmen, denn das Kind, das sie bekommen wird, ist von dem heiligen Geist. Und sie wird einen Sohn bekommen, dem sollst du den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk retten von ihren Sünden. Damit wird passieren, was bei dem Propheten Jesaja geschrieben steht: Siehe, eine junge Frau wird schwanger sein und einen Sohn bekommen und sie werden ihm den Namen Immanuel geben, das heißt: 'Gott mit uns'
(Engel tritt ab, Josef steht langsam auf)
Heller Spot auf Markierung aus
Josef: Was verlangt man da von mir? Was ist das für eine Geschichte, auf die ich mich da einlassen soll? Kann Gott das von mir verlangen? Dieses Kind ist mir so fremd. Ich soll es annehmen, für es Verantwortung übernehmen, aber es ist nicht mein Kind. Werde ich es lieb haben können?
(kurze Denkpause)
Doch, ich will es wagen. Maria und ich gehören zusammen. Wir werden schon irgendwie klarkommen. Ich werde dieses Kind und seine Mutter annehmen, weil Gott es so will.
Und weil ich es jetzt so will. Wir werden eine Familie sein.
Licht aus
Vorhang zu
[Musik: La ronde des dames d'autrefois]
5. Szene(Bei Marias Eltern)
Maria
Vater Joachim
Mutter Anna
Kleine Schwester Ruth
Leintuch 'vor dem Haus und Landschaft'
Campingtisch mit Tischdecke
3 Hocker:
Mutter
Vater [===] Ruth
Schüsseln für Ruth und Mutter
Schriftrolle für Vater
Vorhang auf
Tageslicht über kompletter Bühne
(Vater Joachim, Mutter Anna und die kleine Schwester Ruth sitzen an einem Tisch. Anna und Ruth kneten Teig in ihren Schüsseln. Joachim liest in einer Schriftrolle.)
Vater: Ruth, hast du deine Schwester Maria gesehen ?
Ruth: Vorhin habe ich sie noch am Brunnen gesehen. Da hat sie ewig mit Lea gequatscht.
Mutter: Ach schau , da kommt sie ja.
(Maria tritt ein, sie trägt ihr buntes Tuch)
(Vater schaut von seiner Schriftrolle auf und betrachtet Maria)
Vater: Maria, wie läufst du denn wieder rum! Du bist doch verheiratet und erwartest ein Kind! Ich verstehe dich nicht. Deine Mutter macht sich auch schon Sorgen um dich!
Maria: Ach Papa!
Ruth: Aber Maria, so darfst du doch nicht reden!
Mutter: Maria, was sollen denn die Nachbarn denken. Ich mag das Getratsche nicht.
Maria: Josef findet mich in Ordnung. Darf ich mich denn nicht freuen? Ein schönes Tuch heißt doch nur, dass ich glücklich bin. Und muss man denn hässlich sein, nur weil man verheiratet ist und ein Kind bekommt?
Mutter: Maria, das ist mir ganz egal. Bitte werde endlich erwachsen. Du warst mir schon immer zu wild, aber ich habe gehofft, dass das jetzt, wo du einen ordentlichen Mann hast, endlich aufhört. Nimm dir ein Beispiel an deiner Schwester.
Ruth: Ich bin immer brav und mache, was ich soll.
Maria: Mama, das ist mir doch egal!
Mutter Maria, benimm dich!
Vater: Ich glaube, ihr seid beide etwas überdreht. Ich würde sagen, du, Maria, gehst einfach eine Weile deine Cousine Elisabeth besuchen. Die erwartet auch ein Baby, ist aber viel älter und vernünftiger.
Licht aus
Vorhang zu
6. Szene (bei Elisabeth)
Maria
Elisabeth
Campingtisch mit Tischdecke farbenfroh
Blumenstrauß
2 Hocker: Mutter Elisabeth [===] Maria Schüsseln für Ruth und Mutter Schriftrolle für Vater
Vorhang auf
Zimmerbeleuchtung über kompletter Bühne
(Bei Elisabeth)
Maria: Bei dir ist es richtig gemütlich, Elisabeth. Meine Mutter hat ganz schön Stress gemacht.
Elisabeth: Ich kann das verstehen Maria. Du warst und bist ein ganz schöner Wirbelwind. Da macht man sich schon manchmal Sorgen und versucht dich zu bremsen.
Maria: Das ist doch auch, weil ich so glücklich bin.
Elisabeth: Für mich ist es jedenfalls schön, dich hier zuhaben Maria. Jetzt haben wir noch viel Zeit zum Reden. Wenn die Kinder erst mal da sind, ist das sicher anders.
Maria: Elisabeth, ich fürchte, es gibt wenige, die verstehen können, dass es mit unseren Kindern etwas Besonderes auf sich hat.
Elisabeth: Ich bin ja so froh, dass Josef mit der Sache so gut klar kommt. Er muss ein toller Mann sein.
Maria: Ja, das ist er. Aber wenn Gott seinen Engel nicht auch zu ihm geschickt hätte, wäre es für ihn nicht so leicht gewesen. Auf Gott kann man sich schon verlassen.
(Maria nimmt den Text und geht zur Bühnenmitte)
Leintuch 'schmales Leintuch' vorklappen, Projektor an, Maria Zeichen geben
(Magnifikat mit Projektion des Textes)
Meine Seele preist die Größe des Herrn,
und mein Geist freut sich über Gott, meinen Heiland.
Er hat mich - ein geringes und unbedeutendes Mädchen- zu Großem berufen. Zu allen Zeiten wird man mich glücklich preisen.
Denn Großes hat der Mächtige an mir getan, und heilig ist sein Name.
Sein Erbarmen hört niemals auf; er schenkt es allen, die ihn ehren, von einer Generation zur andern.
Unübersehbar handelt Gott in der Welt. Die Stolzen bekommen seine Macht zu spüren.
Er stößt die Mächtigen vom Thron und erhebt die Niedrigen.
Den Hungernden gibt er reichlich zu essen und schickt die Reichen mit leeren Händen fort.
Seine Barmherzigkeit hat er uns zugesagt, ja, er wird seinem Volk Israel helfen.
So hat er es unseren Vätern, Abraham und seinen Nachkommen, für immer versprochen.
Elisabeth: Ja Maria, genau so ist es.
Licht aus
Vorhang zu
[Lied:Magnifikat (Taize)1x vorspielen, 3 mal singen]
7. Szene (Marktszene)
1. Frau
2. Frau
3. Frau
Alte Frau
Simon
Andreas
Timo
Josef
Kind
Ausrufer
2 Trommler
Rahel
Miriam
Leintuch 'Markt'
3 Tische nebeneinander links:
Werkzeug Töpfe Gemüse
Vorhang auf
Tageslicht über kompletter Bühne
(Auf dem Marktplatz, es herrscht reges Treiben)
(3 Frauen bieten Waren an, alte Frau steht dabei)
[alle Kinder singen Kanon: Heut ist Markt]
1. Frau: Töpfe, Krüge und Schüsseln zu verkaufen!!
2. Frau: Frisches Gemüse, heute geerntet!
1. Frau: Töpfe, preiswert und gut!
3. Frau: extra stabiles Werkzeug - heute besonders preiswerte Hämmer!!
(Der alte Mann nimmt einen Hammer und schaut ihn kritisch an)
Alter Mann: Dem traue ich nicht! Irgendwie erscheint mir der zu klein, um wirklich stabil zu sein! Das kann nichts Rechtes sein! Heutzutage gibt es nichts Rechtes mehr!
(Josef, Simon, Andreas und Timo treten auf. Timo hat ein kleines Kind an der Hand)
Simon (ein älterer Mann): Tja Josef, lange dauert es nicht mehr, bis euer erstes Kind da ist.
Timo (mit Kind): Ja, dann hast du auch so was Süßes!
Andreas: Nur leider bleiben sie nicht lange so süß. Irgendwann muss man Ihnen Respekt beibringen und Grenzen setzen. Mein Ältester ist jetzt schon vierzehn. Was ich sage, er weiß es immer besser. Ich hoffe, das ist bald wieder besser.
Josef: Das lasse ich Alles erst mal auf mich zukommen.
Simon: Ja, so ist es richtig. Mach dir mal keine großen Gedanken deshalb. Alles zu seiner Zeit. Mein David ist jetzt schon 18 und richtig erwachsen. Es ist toll, wie man schon richtig mit ihm was zusammen unternehmen kann. Wenn die Kinder klein sind, reden einem die Mütter immer rein und haben Angst, dass man das Kind fallen lässt und so ein Quatsch. Wir sind schließlich nicht dämlich. Mit einem großen Sohn ist das toll.
Andreas: Jedes Alter hat so seine schönen und weniger schönen Zeiten. Mein 14-jähriger isst zurzeit so viel, dass meine Frau immer sagt, dass sie bald größerer Kochtöpfe braucht. Zum Glück sind wir finanziell ganz gut dran.
Simon: Ja so ist das, wenn die Kinder wachsen. Wenn ich soviel essen würde wie mein Sohn,
wäre ich kugelrund. Beneidenswerte Jugend. Wie kommt deiner eigentlich im Beruf klar?
Andreas: Ich finde, er macht das ganz gut!
Josef: Hoffentlich finden alle ihren Weg im Leben. Die Zeiten sind nicht einfach.
Timo: Wir werden auf jeden Fall alles für unsere Kinder tun, dass sie es schaffen. Schließlich sind wir Väter!
(Ausrufer tritt in Begleitung von zwei Trommlern auf - Fanfare)
Ausrufer: Ruhe, Es folgt eine Anordnung des Kaisers:
Hiermit verfüge ich, Augustus, dass alle Bewohner des römischen Reiches in Steuerlisten erfasst werden müssen. Dazu muss jeder mit seiner Familie in seine Heimatstadt ziehen.
Wer diesem Aufruf nicht in den nächsten Wochen nachkommt, muss mit harten Strafen rechnen.
(Fanfare, Ausrufer und Trommler treten ab)
Josef: Sind die verrückt? Wie soll ich das machen. Ich kann doch meine Werkstatt nicht einfach allein lassen, Und außerdem bekommt Maria demnächst ihr Kind!
Andreas: Die da oben haben doch keine Ahnung. Für die sind wir doch nur Nummern.
Alter Mann: Alles nichts Rechtes! Das hätte es früher nicht geben.
Timo: Aber das hilft doch alles nichts. Wir müssen uns fügen. Irgendwie wird es schon gehen.
(Josef, Timo, Andreas; Simon treten ab, Rahel und Miriam treten ab)
Rahel: Alle Leute sollen sich in die Listen eintragen. Warum?
Miriam: Na ja, der Kaiser will wissen, wie viel Steuern er bekommt.
Rahel: Überleg mal: Erstens dauert das ziemlich lange, bis alle gezählt sind. In der Zwischenzeit sind wieder Leute gestorben und Kinder geboren. Das stimmt doch nie und nimmer, was die da zählen.
Miriam: Du hast Recht. Außerdem erreicht der Ausrufer gar nicht alle. Leute. Manche wohnen außerhalb der Stadt.
Rahel: Merken denn die, die die Zählung machen nicht, dass das völliger Unsinn ist.
Miriam: Schon, aber was sollen die machen. Wenn der Kaiser es so will, muss man gehorchen.
Rahel: Man muss es dem Kaiser sagen, dass das Unsinn ist.
Miriam: Sagst du es ihm?
Rahel: Ich? Bist du denn verrückt? Erstens würde ich gar nicht bis zu dem kommen und wenn doch hätte ich viel zu viel Angst. Der würde mich wahrscheinlich umbringen lassen.
Miriam: Siehst du, so geht es uns allen. Und deshalb wissen alle, dass es Unsinn ist und machen trotzdem mit.
Licht aus
Vorhang zu
Überleitung zur 8. Szene
Erzähler
Erzähler: Und so mussten sich auch Maria und Josef auf den Weg machen nach Bethlehem, denn das war die Heimatstadt von Josef. Das war ziemlich schwierig, denn sie waren mehrere Tage unterwegs. Josef musste immer wieder für Essen und Unterkunft für sich und Maria sorgen. Das war ganz schön anstrengend. Und so, eines frühen Morgens...
(Erzähler tritt ab)
8. Szene (Maria und Josef unterwegs)
Josef
Maria
Leintuch 'weiß'
Vorhang auf
Sehr gedämpftes Licht auf kompletter Bühne
Projektor mit dunklem Abschnittl an, während Maria und Josef streiten beginnt langsam der Sonnenaufgang.
(Maria und Josef unterwegs, Morgendämmerung)
Maria: Oh weh, mussten wir denn so früh los. Mir tun die Füße noch von gestern weh.
Josef: Warum hast du auch keine vernünftigen Schuhe?
Maria: Erstens sind meine Schuhe vernünftig und außerdem kommt das nur davon, dass ich demnächst ein Kind bekomme. Dieser Augustus hätte sich auch einen anderen Termin aussuchen können für seine Volkszählung.
Josef: Ja Maria, aber ich kann auch nichts dafür. Komm schon!
Maria (trotzig): Ich komme nur, wenn du versprichst, nicht so zu rasen wie gestern.
Josef(ein bisschen aufgebracht): Jetzt stell dich nicht so an und hör auf zu jammern! Ich will schließlich heute noch ankommen!
Maria (weint): Du bist so gemein! Du verstehst mich einfach nicht!
Josef: Maria, bitte hör auf zu weinen! Ich habe es doch nicht so gemeint.
Komm, gemeinsam schaffen wir's. Schau nur wie schön der Morgen anbricht.
Sonne geht auf Projektion vollständig auf, dann
Helleres (gelbes?) Licht
!! Musik Schmetterlinge
[Tanz der Schmetterlinge].
Maria: Ja, Josef, komm, gemeinsam schaffen wir's. Außerdem müssen wir an das denken, was der Engel uns gesagt hat. Wieso sollten wir es nicht schaffen!
Josef: Ich denke, heute Abend sind wir in Bethlehem und morgen schon auf dem Rückweg.
Maria: Ich habe so ein komisches Ziehen im Rücken. Hat das was zu bedeuten?
Josef: Keine Ahnung.
Licht aus
Vorhang zu
[Musik: Zu Bethlehem geboren 1+2]
9. Szene (Stall)
Josef
Maria
Hirte1
Hirte2
Hirte3
Hirtin
Leintuch 'Werkstatt, Stall'
Maiskolben am Balken befestigen
3 Schafe
Bank mit Fell
Krippe mit kleinem Schaffell und Puppe mit Windel
2 Türpfosten
Stab zum Klopfen
Vorhang auf
Zimmerbeleuchtung auf kompletter Bühne
(Im Stall, mit Krippe und Kind)
Maria: Mann, das war was! Mussten die Wehen ausgerechnet da einsetzen.
Josef: Ja. Ich war noch so froh, als wir gestern gegen Abend in Bethlehem so zeitig ankamen. Aber dann war keine Unterkunft zu finden.
Maria: Ein Glück, dass du so hartnäckig warst. Sonst hätten wir nicht mal diesen Stall bekommen.
Josef: Aber jetzt ist das Kind da. Jetzt sind wir Eltern und haben die Verantwortung, es groß zu ziehen.
(Es klopft: Ein Hirte klopft mit seinem Stab auf den Boden)
Josef: Wer ist da?
Hirte 1: Wir sind Hirten vom Felde. Wir haben gehört, dass hier ein Kind geboren wurde, das ein König ist. Wir wollen es sehen.
Maria: Kommt herein.
(Die Hirten kommen herein)
Hirte 2: Guten Abend!
Hirte 3: Seht nur das Kind. Das Kind, von dem der Engel gesprochen hat. Es gibt dieses Kind wirklich.
Josef: Wer hat euch von uns erzählt?
Hirte 1: Wir waren bei unseren Schafen auf dem Feld. Da wurde es mitten in der Nacht hell. Wir erschraken.
Hirte 2: Aber der Engel sprach: Fürchtet euch nicht! Ich bringe euch eine gute Nachricht, über die sich ganz Israel freuen wird. Heute wurde in der Stadt Davids euer Retter geboren_ Christus der Herr.
Hirte 3: Geht und seht es selbst: Er liegt in Windeln gewickelt in einer Futterkrippe - daran könnt ihr ihn erkennen.
Hirte 1: Und plötzlich standen neben dem Engel viele andere Engel, die priesen Gott und riefen:
Alle Ehre gehört Gott im Himmel! Sein Frieden kommt auf die Erde zu den Menschen, weil er sie liebt!
Hirte 2: Und dann sind wir losgelaufen und jetzt sind wir hier!
Maria: Ich staune über eure Geschichte. Etwas Großes ist mit uns Allen passiert. Wird das die Welt verändern?
[Lied: Ihr Kinderklein kommet angesagt von Maria am Rednerpult?]
Hirte 1: Aber wir müssen jetzt wieder Lebewohl sagen. Unsere Schafe brauchen uns.
Hirtin: Halt, wir haben euch doch etwas mitgebracht (übergibt ein Fell) Lebt wohl!
Josef: Vielen Dank!
(Hirten treten ab)
Maria: Ach Josef, ich freue mich schon so, wenn wir heim kommen und das Kind unseren Familien und Freunden zeigen können. Was wohl meine Freundin Sarah sagen wird?
Josef: Es ist alles gut gegangen. Und es wird weitergehen. Wir haben die Worte des Engels und wir haben uns beide.
Maria: Und Gott ist mit uns. Daran werden wir uns immer festhalten können, egal was kommt.
Licht aus
Vorhang zu
Nachspiel / Sprechchor
(Alle Kinder kommen noch einmal auf die Bühne)
Sprecher 1
Sprecher 2
Keine Änderung
Vorhang auf
Tageslicht auf kompletter Bühne
Fragender: Das war eine schöne Geschichte. Aber ich frage mich, warum konnte das Alles so passieren? Hätte das nicht ganz anders ausgehen können? Wisst ihr das?
Mädchen: Gott hat auf Menschen wie uns gebaut.
Jungen: Menschen wie wir haben auf Gott vertraut.
Sprecher 1: Menschen die sich lieben und oft nicht verstehen
Menschen die sich mögen und auf die Nerven gehen.
Sprecher 2: Solche die immer jammern und klagen
Solche die Alles gelassen ertragen.
Mädchen: Gott hat auf Menschen wie uns gebaut.
Jungen: Menschen wie wir haben auf Gott vertraut
Sprecher 1: Männer und Frauen mit ihren Unterschieden.
Ob viele deshalb schon in Streit gerieten?
Sprecher 2: Alte Zweifler und junge Phantasten,
Für Gott hat jeder genug auf dem Kasten.
Mädchen: Gott hat auf Menschen wie uns gebaut.
Jungen: Menschen wie wir haben auf Gott vertraut.
(Verbeugung)
Licht aus
Vorhang zu
Doris Vielsack
