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30 Jahre Evangelische Kirchengemeinde St. Leon-Rot
Bis zum Jahre 1980 gab es weder in St. Leon noch in Rot eine evangelische Kirchengemeinde. Die evangelischen Christen in St. Leon wurden von der Kirchengemeinde Reilingen mitbetreut. Gottesdienste fanden im ehemaligen Lehrerhaus neben dem Alten Schulhaus in St. Leon und später im Keller des neuen Schulhauses in St. Leon statt. Sie wurden von den Reilinger Pfarrern gehalten. Für Rot war die evangelische Kirchengemeinde Walldorf zuständig, vierzehntägig gab es einen Gottesdienst im Pfarrsaal neben der Katholischen Kirche in Rot, der von den Walldorfer Pfarrern gehalten wurde.
Im Jahre 1974 wurden die zuvor selbständigen politischen Gemeinden St. Leon und Rot zur Gemeinde St. Leon-Rot zusammengeschlossen. Deshalb kam die Idee auf, eine evangelische Kirchengemeinde zu gründen, die beide Ortsteile umfasst. In einem Gemeindebrief lud Pfarrer Ulrich Epperlein aus Reilingen alle evangelischen Einwohner von St. Leon und Rot für den 2. März 1980 zu einem Familiengottesdienst und zu einer anschließenden Gemeindeversammlung in den Saal des Feuerwehrgerätehauses in Rot ein. Auf dieser Gemeindeversammlung wurde die evangelische Kirchengemeinde St. Leon-Rot gegründet.

Die Gemeinde war zunächst noch nicht selbständig, sie war für 4 Jahre Filialkirchengemeinde der Kirchengemeinde Reilingen. Im Juli 1980 wurde das Haus in der Friedensstraße 34 in Rot gekauft. Die Gottesdienste fanden für 3 Jahre im Wohn- und Esszimmer dieses Hauses statt; diese beiden Räume waren durch einen Mauerdurchbruch zu einem größeren Raum vereinigt worden. 1981 bekam die Gemeinde dann ihren ersten eigenen Seelsorger, Pfarrvikar Diedrich Onnen, der mit seiner Familie in die Wohnung im Obergeschoß des Hauses Friedenstr. 34 einzog. Er wurde allerdings im Juli 1983 schon wieder versetzt.
Nachdem der Gottesdienstraum oft zu klein war, wurde über einen größeren Gottesdienstraum nachgedacht. Zur Lösung dieses Raumproblems wurde im hinteren Teil des Gartens ein Fertigbau als Gemeindesaal erstellt. Da dieser Teil des Grundstücks kein Bauland war, musste über die politische Gemeinde eine Sondergenehmigung eingeholt werden, die dann begrenzt auf 10 Jahre auch erteilt wurde. Im Oktober 1983 wurde dieser Gemeindesaal eingeweiht, das Foto zeigt den Eingangsbereich, gesehen von der hinteren Grundstücksgrenze. Im selben Monat kam dann Pfarrer Dr. Hans-Erich Loos in die Gemeinde. Ende 1983 hat der Kirchengemeinderat den Antrag auf Selbständigkeit der Kirchengemeinde beim Oberkirchenrat gestellt, dem im Oktober 1984 stattgegeben wurde. Zu diesem Zeitpunkt hatte unsere Gemeinde 978 Gemeindeglieder.
In den Folgejahren war eine der Hauptaufgaben des Kirchengemeinderats, den Bau eines Kirchenzentrums mit Kirche, Gemeinderäumen, Pfarramt und Pfarrhaus voranzutreiben. Nach vielen Rückschlägen brachte das Jahr 1993 schließlich einen Teilerfolg: es konnte mit dem Neubau von Pfarrhaus und Pfarramt auf dem zuvor durch Erbpacht erworbenen Grundstück neben dem neuen Rathaus begonnen werden. Im Juli des gleichen Jahres verließ uns Pfarrer Loos, der zum Dekan des Kirchenbezirks Karlsruhe berufen worden war. Nach einem Jahr Vakanz wurde Johannes Höflinger zum Pfarrer unserer Kirchengemeinde gewählt.
Der Bau einer Kirche war allerdings wegen eines durch die Landessynode beschlossenen Baustopps für Kirchen-Neubauten für viele weitere Jahre nicht möglich. Schließlich erreichte der damalige Vorsitzende des Kirchengemeinderats, Manfred Massinger, durch hartnäckiges Verhandeln mit dem Oberkirchenrat in Karlsruhe, dass unser Kirchenbau nicht als Neubau, sondern als Ersatzbau für den ja nur befristet genehmigten Gemeindesaal eingestuft wurde, sodass der Landessynodenbeschluss auf diese Weise umgangen werden konnte. So wurde es schließlich doch möglich, mit dem Kirchenbau zu beginnen. Der erste Spatenstich erfolgte im Oktober 2001, Richtfest war im März 2002, und der erste Gottesdienst fand am 27. Oktober 2002 statt. Als letzter Bauabschnitt wurde schließlich der Gemeindesaal im Garten des Hauses Friedenstr. 34 an der alten Stelle abgerissen und an das Foyer der neuen Kirche wieder angebaut. Er enthält heute die Sakristei, das Lager, die Küche und den Kindergottesdienst-Raum. Am 30. März 2003, dem Sonntag Laetare, wurden die neue Kirche und die Gemeinderäume mit einem Festgottesdienst unter Mitwirkung unseres Landesbischofs eingeweiht.
Dank der nun gegebenen baulichen Voraussetzungen konnte sich unsere Gemeinde, die inzwischen auf 1870 Gemeindeglieder angewachsen ist, zu dem entwickeln, was sie heute ist. Als Pfarrer Höflinger im Mai 2008 nach 14 Jahren unsere Gemeinde verließ, kam nach nur 4 Monaten Vakanz unsere jetzige Pfarrerin Katharina Wendler, die mit uns das bis heute Erreichte weiterführt. Und so blicken wir mit Dankbarkeit auf die letzten 30 Jahre zurück.
Wolfgang Hampel
