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Evangelische Kirchengemeinde St. Leon-Rot

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Bericht aus den "Gründungsjahren" unserer Kirchengemeinde

Als ich 1967 als Lehrerin nach St. Leon kam, gab es dort etwa 25 Evangelische, keiner davon in Rot geboren. St. Leon war Diasporagemeinde und gehörte zu Reilingen, wurde demnach von dem dortigen Pfarrer versorgt.

Sonntags um 9 Uhr fanden die Gottesdienste in einem der Klassenzimmer im "Alten Schulhaus" statt. Zu diesen Gottesdiensten versammelten sich 6 - 8 meist ältere Leute.

Das Pult, darüber eine Tischdecke gelegt, ein Blumenstrauß, Kerzen - das war der "Altar", der schnell wieder abgeräumt werden konnte.

Im Religionsunterricht waren 1./2. Klasse, 3./4. Klasse und 5. - 8. Klasse jeweils zusammengefasst. Die Anzahl der Schüler betrug jeweils etwa 4 - 6. Wenn die Religionsstunde keine Randstunde war, waren sie sich oft selbst überlassen oder wurden im günstigsten Fall in einer anderen Klasse untergebracht.

Konfirmandenunterricht fand in Reilingen statt. Öffentliche Verkehrsmitten dorthin gab es nicht. Jeder musste sehen, wie er nach Reilingen kam - oft mit dem Fahrrad und das natürlich auch in der Winterzeit!

1971 wurde die untere Wohnung im sogenannten "Lehrerwohnhaus" frei. Ein Zimmer davon bekamen wir als Gemeinderaum zugewiesen, das wir nun nicht jedesmal schnell herrichten mussten. Ausgediente Stühle von Reilingen, der alte Wohnzimmertisch von Fam. Placke waren unser erstes eigenes Mobilar, das uns auch noch in die Friedensstraße begleiten sollte, dazu ein Ölofen. Vor lauter Freude über diese erste "feste" Bleibe planten wir einen Adventsnachmittag. Wir staunten nicht schlecht, als wir etwa 40 Besucher zählten, unter denen wir bekannte Gesichter fanden, von denen wir bisher aber nicht wussten, dass auch sie evangelisch waren. Unsere Freude war groß. Die äusseren Umstände - nur Kerzenbeleuchtung, geliehene Heizlüfter, Bierzeltgarnituren - bescheiden und trotzdem romantisch und gemütlich. Warum wollen diese Menschen nicht zu den Gottesdiensten kommen? Sie suchen eine "richtige" Kirche, bekamen wir zur Antwort.

Kurze Zeit später wieder ein Umzug: in die alte Schulküche (heute Gemeindebibliothek). Vorteil: Wir haben einen größeren Raum ganz für uns und Zentralheizung.

1974 wurden St. Leon und Rot im Zuge der Verwaltungsreform eine Einheitsgemeinde. Von Reilingen aus gingen wir die Überlegung an, auch kirchlich eine eigene Gemeinde zu bilden. Das war nicht so einfach, weil St. Leon und Rot noch Diaspora waren und gelang nur dadurch, dass St. Leon zunächst den Status einer Filialkirchengemeinde erhielt. Das hieß, es wurden Kirchengemeinderäte gewählt, die aber an den Sitzungen in Reilingen teilnahmen und somit Stimmrecht bei anstehenden Entscheidungen erhielten. Eine erste Art der Selbständigkeit wurde damit 1977 erreicht.

Der Kirchengemeinderat Reilingen unterstützte die weiteren Maßnahmen zur völligen Selbständigkeit in Wort und Tat. So gelang es, dass 1980 Vertreter der Roter Gemeinde zugewählt werden konnten und mit finanzieller Unterstützung der "Muttergemeinden" Reilingen und Walldorf sowie des Oberkirchenrates das Gebäude in der Friedensstraße erworben werden konnte.

Hier wurde 1983 der erste Kirchengemeinderat der evangelischen Gemeinde St. Leon-Rot gewählt. Somit war unsere Selbständigkeit auch dokumentiert.

Heide Tischhäuser

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